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Was bringt eine Neue Lernkultur?

Zwei auseinander strebende Entwicklungen belasten unsere Kultur und drohen sie zu zerstören: Einerseits schafft eine höchst anspruchsvolle Wissenschaft in unerhört kurzer Zeit neue Entwicklungen in großem Ausmaß. Ande­rerseits können die Bildungssysteme weder damit Schritt halten, noch das schon Vorhan­dene und vermeintlich Gesicherte so vermitteln, daß es erhalten bleibt, fruchtbar angewandt und weiter entwickelt wird.

Abgesehen von der in einer offensichtlichen Krise befind­lichen sogenannten Allgemeinbildung erleben wir in vielen Bereichen des kulturellen, politischen, gewerblichen und sozialen Lebens einen dramatischen Verlust von Wissen und brauchbarer Tech­nologie.

Viele Unternehmen blühen un­ter der Leitung einer Person, unter ihren Nachfolgern verkümmern sie. Eine der wahr­scheinlichen Erklärungen für dieses Phänomen ist das Ver­säumnis, die Kenntnisse des Erfolgreichen für die Nachfolger reprodu­zierbar zu konservieren und erlernbar aufzubereiten.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den öffentlich verwalte­ten Bildungssystemen zu beobachten. Immer mehr junge Men­schen verlassen immer weniger gut vorbereitet die Schule. Nicht nur die dort tätigen Lehrer leiden unter den daraus resul­tierenden Spannungen.

Trotz immensen Forschungsaufwands, großen Erwartun­gen und Versprechungen, konnten Entwicklungs- und Lernpsy­cho­logie in ihren vielfältigen Ausprägungen außer interes­santen Theorien keine wirksamen Verfahren und Methoden bereit­stellen. Es verdichten sich sogar Indizien, daß gerade die Päda­gogische Psychologie mit ihren aus Tierversuchen gewonnenen Theorien und Erkenntnissen seit ihrer Einfüh­rung in die öffent­lichen Schulsysteme am weltweiten Versa­gen der Bildungssy­steme beteiligt sein könnte. Auf diesem Boden wuchs das Ver­langen nach Lernkultur.

Kultur ist die Summe der Schöpfungen des Menschen; Lern­kultur ist Kultur des Lernens: des Beobachtens, Ver­stehens, Erkennens, sich-Verbesserns. Sie konserviert einerseits das Erhaltenswerte und macht es vermittelbar, andererseits befähigt sie, bereits gewonnenes Wissen möglichst rasch, korrekt und effizient zu erwerben.

Grundlage von Lernkultur in diesem Sinne ist ein philoso­phisch begründetes Menschenbild, das ihn als geistiges Wesen auffaßt und ihm Lernbegierde, freien Willen, ein (möglicher­weise unbegrenztes) nicht meßbares Potential an Fähigkeiten und einzigartige, nach Freiheit und Selbst­be­stimmtheit stre­bende Persönlichkeit zuerkennt. Sie sieht zielgerichtetes Lernen als eine dem Menschen eigentüm­liche geistige Fähig­keit an: der Mensch lernt demnach mit dem Ziel, ...

  • die Welt zu verstehen und die Bedingungen seines Lebens zu verbessern, indem er auf das Wissen seines Kulturkreises aufbauend seine geistigen Anlagen und Fähigkeiten erkennt, entwickelt und nützt;
  • um Kultur (und Wissen) für sein Wohlergehen zu erhal­ten;
  • um vorhandene Technologien zu erhalten und zu seinem Nutzen anzuwenden;
  • um Kultur und Technologien weiter zu entwickeln.
  • um vorhandene Technologien zu erhalten und zu seinem Nutzen anzuwenden;

Eine Lern-Aktivität ist daher in dem Maße richtig, wie es diese Ziele erreicht, und so falsch, wie es sie verfehlt.

Lernkultur ist neu

Lernkultur ruht auf neuen Erkenntnissen und neuen Be­trachtungen über allgemein zugängliche Beobachtungen. Diese führen zu einem neuen didaktischen System, das als Ziel die Harmonie von Vernunft und Gemüt hat. Solche Harmonie manifestiert sich in zunehmend verbesserten zwischenmensch­lichen und gesellschaftlichen Beziehungen und Bedingungen, in größerer Einsatzbereitschaft und ver­bessertem Ethos des Einzelnen, in verbesserten tech­nologi­schen und wirtschaft­lichen Bedingungen und damit verbes­serter Kultur.

Es ist leicht nachzuvollziehen, daß im Grunde jeder Mensch die genannten Qualitäten als “lebenswert” an­strebt, Lernkul­tur resultiert daher in mehr und tiefer emp­fundener Lebens­freude.

Lernen ist geistiges Wachsen

Diese von der psychologischen Definition (“lernen ist dauer­hafte Veränderung des Verhaltens”) grundsätzlich unter­schied­liche Auffassung ist Angelpunkt der revoluti­onierenden Wirk­samkeit der Neuen Lernkultur.

Aus dieser Sicht hat der Mensch zwei grundsätzlich unter­schiedliche Möglichkeiten zu lernen:

  • Den natürlichen Weg; das ist der dem sinnlich-körper­lichen Wesen des Menschen entsprechende Weg: durch Beobachtung, Nachahmung, Versuch und Irrtum, Er­fahrung-Sammeln. (Auch Tiere scheinen so zu lernen.)
  • Den kulturellen Weg; das ist der dem Genius des Menschen entsprechende Weg: durch Studium des­sen, was andere Menschen (Vorfahren) bereits ge­lernt (herausgefunden und geschaffen) haben und ihm als Nachkommenden überlieferten. (Kein Tier ist solchen Lernens fähig.)

Lernkultur vereinigt erstmals beide Wege in harmonischer Weise, indem sie die GesetzmäBigkeiten des natürlichen Weges mit den Bedingungen des Studierens auf techno­logische (d.h. die Verfahren betreffende) Weise zusam­menführt.

Keines der bisher entwickelten lernpsychologischen Sy­steme hat dies berücksichtigt; die Unterscheidung zwi­schen schuli­schem Lernen und anderen Arten erwies sich als wenig frucht­bar, die Bezugnahme auf die Tierwelt als hinderlich und schädlich.

Kreative Pädagogik

Lernkultur führt zu einer veränderten Lebenshaltung, wenn sie in der Familie geradeso gepflegt wird wie im Kindergar­ten, in der öffentlichen Schule, an Universitäten und anderen Bil­dungseinrichtungen. Dazu bedarf es der Kunst des Füh­rens, der Pädagogik. Anders als die meisten bisher ent­wickelten Sy­steme stellt Kreative Pädagogik die Entwicklung des Men­schen in das Zentrum ihres Wirkens.

Kinder erfahren von Anfang an das “Lernen” als Bereiche­rung, die Idee vom “lebenslangen Lernen” kann erstmals in der Ge­schichte verwalteter Lehre Realität werden. Lern­kultur fördert den Menschen in seinem Selbstverständnis und macht ihn - jenseits von Religion und Ideologie - sei­ner geistigen Natur, seiner Fähigkeiten, Potentiale und Ziele in Freiheit bewußt.

Wissen konservieren

Lernkultur konserviert jedes Wissen so, daß es leicht zu­gäng­lich und reproduzierbar wird. Das in der Lernkunde benutzte Leitblatt-System bietet erstmals Möglichkeiten, jedes beliebige Wissensgebiet systematisch und vollstän­dig so zu struktu­rie­ren, daß es leicht erlernbar ist. Neben der Funktion der Doku­men­tation (zum Ziel des Schutzes vor Verlust) gewährleistet es zusammen mit speziellen Technolo­gien des Prüfens die Frei­heit von Verfälschung und (mangel­hafter bzw. unerwünschter) Veränderung, während sie gleichzeitig eine höchst potente Technologie der Weiter­ent­wicklung birgt.

Die Praxis lehrt, daß Menschen nach Aneignung von Lern­kunde-Kenntnissen an Studium und Fortbildung beträcht­lich stärker interessiert sind als solche, denen diese Kenntnisse fehlen. Die Auswirkungen derart gesteigerten Interesses auf die Effizienz, Genauigkeit, Motivation und Verantwortlichkeit der Menschen lassen sich nur erahnen, sie übertreffen si­cher­lich alle bisherigen Erfahrungen.

Energie ist Fähigkeit

Richtiges Lernen schafft mehr, neue, und bessere Fähig­keiten. Analog zur üblichen (physikalischen) Definition von Energie, die Fähigkeit (eines Systems), Arbeit zu leisten, ist Energie für den Menschen die Fähigkeit, etwas (Er­wünsch­tes) zu bewir­ken. Richtiges Lernen ist daher auch ein ökono­misches Sy­stem:

Der Energie-Einsatz (in Form von Aufmerksamkeit im Stu­dium der Sache) führt zu mehr und höheren Fähigkeiten. Dieser Energiegewinn manifestiert sich in höherem Er­folgspotential, besserem Ethos und tieferer Lebensfreude.

Methoden, Verfahren und Gesetzmäßigkeiten, die Energie­einsatz für ein bestimmtes Ziel fruchtbar gestalten, sind zur Erfolgskunde zusammengefaßt.

Lernen ist Energiegewinn

Diese Auffassung von Lernen wird von den meisten Men­schen als völlig natürlich angenommen, haben sie erst ein­mal den Schritt dazu gemacht. Sie zeigt sich dann allen Spielarten der Lernpsychologie überlegen, weil die Frage der Motivation von vornherein gelöst ist: Für sich selbst, die eigene Freude und das eigene Wohlergehen zu lernen ist immer noch die beste Moti­vation, weil sie dem Selbstbe­stimmtsein dient und es fördert.

Lernen in diesem Sinn ist von geistigen Gesetzmäßigkei­ten (ähnlich den physikalischen) bestimmt. Diese Gesetze und Bedingungen des Lernens und ihrer Anwendung sind zur Lernkunde zusammengefaßt.

Stimmung als Indikator

Energie, Befinden und Fähigkeit des Menschen stehen in engem Zusammenhang. Stimmung zeigt die Relation von Energieeinsatz zum Erfolg an:

Je mehr und größer die Erfolge, desto besser die Stim­mung (d.h. deutlicher Beweis gewinnbringenden Energie-Einsat­zes). Weniger Erfolge (bzw. mehr Mißerfolge) drücken die Stim­mung (d.h. deutlicher Beweis verlust­reichen Energie-Einsatzes). Die Fähigkeit, Energie erfolg­reich ein­zusetzen, korrespondiert mit der Fähigkeit, Bega­bungen fruchtbar ein­zusetzen (und umgekehrt). Dies trifft auch auf das Lernen zu: Größerer Lernerfolg führt zu Hochstimmung, Lern-Miß­erfolg wirkt bedrückend. Stim­mung wird somit zum Indika­tor für die Effektivität und Effizienz der Lernmethode.

Es zeigt sich, - was leicht zu beobachten ist, - daß jeder Stimmungslage ein spezifisches Verhaltensmuster ent­spricht. Um Verhalten zu “verbessern”, bedarf es bloß einer Aktivität, die Energie gewinnt, also einer fruchtbaren Lern­methode.

Studieren um zu lernen

Lernerfolg wird zur Frage des (erlernbaren) Vorgehens im Studieren. Mißerfolg ist Anzeichen technologischer, im Ver­fahren begründete Mängel, nicht aber verläßliches Anzei­chen für mangelnde Begabung - (ein grundsätzlich neuer, höchst potenter Ansatz!). Die Studierkunde identifiziert neben den wirksamen Lernmethoden erstmals die Lern­sperren. Es sind Bedingungen, die aus der Art des Zusam­mentreffens von Student und Lehrstoff resultieren und verhindern, daß der Student trotz Einsatzes lernt. Sie verursachen mit dem Ener­gie­verlust einhergehend den größten Teil aller beklagten “Ver­hal­tens­auffälligkeiten”. Methodische Verfahren der Lern-, der Erfolgs- und Stu­dierkunde können somit ein Problem, an dem alle Spiel­arten der “Verhaltenspädagogik” gescheitert sind, bewäl­tigen.


SeitenkopfFreie Pädagogische Initiative für eine Neue Lernkultur, Sprachkompetenz und Selbständigkeit.
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