"Kultur" ist all das von der Lebensart einer Gemeinschaft, was diese Gemeinschaft als wertvoll, der Pflege und des Bewahrens für würdig erachtet (lat. cultus heißt die Pflege, die Verehrung). Kultur wird von Generation zu Generation weitergegeben in der Haltung, die Kultur bereichere das Leben - das der älteren wie der nachfolgenden Generation.
"Lernkultur" bedeutet zweierlei:
Einerseits eine lernende Kultur, also eine Kultur, welche die Möglichkeit der Veränderung durch neue und bessere Kenntnisse und Entwicklungen in sich trägt. Sie strebt nach der höchsten möglichen Lebensqualität; sie ist darauf ausgerichtet, von allem das am besten Bewährte zu bewahren und zu verbessern.
Andererseits eine Kultur des Lernens, welche die besten und fruchtbarsten Methoden und Techniken des Lernens bewahrt, weitergibt (lehrt) und weiterentwickelt. Sie schützt und fördert den lernenden Menschen in besonderer Weise: Etwas nicht zu wissen oder nicht zu können ist keine Schande, sondern Anreiz, es zu lernen. Etwas zu lernen heißt nicht, Angaben zum Abruf zu erwerben, sondern durch ihre Erarbeitung fähiger zu werden.
Sie schafft und unterhält Bildungseinrichtungen mit dem Ziel, daß diese den Menschen in höchst möglichem Maße dienen, ein erfülltes, reiches Leben zu führen.
Die "Kultur des Abendlandes" entspricht dieser Forderung in keiner Weise. Ihre Ausgangshaltung ist eine autoritäre: Ihr Menschenbild orientiert sich an dem, was sie als "Soll" postuliert, nicht an dem, was der Mensch an sich ist.
"Kultur" ist für sie ein absoluter Wert, dem der Mensch untergeordnet ist und sich unterzuordnen hat. "Lernen" ist mit Mühsal und "Schleifen" bzw. "geschliffen Werden" untrennbar verbunden. Es scheint sogar, daß in den Köpfen der Urheber dieser Kultur ohne Schleifen und geschliffen-Werden Lernen gar nicht denkbar wäre: Erst Kultur schaffe den Menschen; ihr Prinzip ist Dominanz. "Partnerschaft" im Sinne von gleichberechtigter Teilhaberschaft" ist ihr fremd.